Fremde Feder #2 – Stress und Geschlecht

 

# von: Natalie R. # Titel: „Stress und Geschlecht – Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Stresswahrnehmung, Verarbeitung und Bewältigung“ # vom: 06. September 2017

Einleitung

Stress ist zu einem festen Bestandteil der heutigen Leistungsgesellschaft geworden. Laut Angaben der Stressstudie 2016 der Techniker Krankenkasse fühlen sich mehr als 60 Prozent der Bevölkerung gestresst. Der Anteil der gestressten Frauen beträgt 63 Prozent, bei den Männern sind es 58 Prozent (vgl. TK 2016, S.6f). Aufgrund von psychischen Krankheiten haben sich die Arbeitsunfähigkeitstage zwischen den Jahren 2005 und 2015 mehr als verdoppelt (vgl. Knieps & Pfaff 2016, S.59). Erschöpfung oder das Gefühl ausgebrannt zu sein sind mit 31 Prozent die zweithäufigste Ursache für Krankmeldungen (vgl. TK 2016, S.47f). Der BKK Gesundheitsreport aus dem Jahre 2016 unterstreicht ebenfalls, dass psychische Störungen der Grund für die längsten Fehlzeiten von durchschnittlich 36 Tagen pro Fall sind (vgl. Knieps & Pfaff 2016, S.47).

Zu Beginn dieser Arbeit wird der Begriff Stress definiert. Einleitend wird Stress anhand des biologischen Stressmodells nach Cannon (1932) und des transaktionalen Stressmodells nach Lazarus (1974) erklärt. Daraufhin wird Geschlecht definiert und von der Gender-Identität differenziert. In dieser Arbeit wird von dem biologischen Geschlecht und den stereotypen Geschlechterrollen von Männern und Frauen ausgegangen.

Im zweiten Teil werden die beiden Themenbereiche Stress und Geschlecht miteinander kombiniert, mit dem Ziel zu erklären, ob Männer und Frauen Stress unterschiedlich wahrnehmen. Hierfür werden Stressoren, Ressourcen und Resilienz erläutert und die Unterschiede zwischen den Geschlechtern herausgearbeitet. Auch die körperliche und physische Reaktion auf Stress wird für beide Geschlechter untersucht. Auf Basis der vorliegenden Informationen über die Wahrnehmung und Verarbeitung von Stress werden die geschlechtertypischen Bewältigungsstrategien herausgearbeitet. Dabei werden problemorientiertes und emotionsorientiertes Coping untersucht. Außerdem wird auf die evolutionsbiologische Fight-or-flight-Theorie, sowie auf die Tend-and-befriend-Theorie eingegangen. Zuletzt wird die Wichtigkeit sozialer Netzwerke und ihre Wirkung auf beide Geschlechter betont.

Grundlagen und Begriffsdefinitionen

Zu den bekanntesten Stressmodellen gehören unter anderem die biologischen Stressmodelle nach Cannon (1932) und Seyle (1936) und das psychologische transaktionale Stressmodell nach Lazarus (1974). Stress ist die psychische, physische und biochemische Reaktion des Körpers auf Anforderungen, welche mit verfügbaren Ressourcen nicht bewältigt werden können. Unter Stress werden stets dieselben biochemische Vorgänge im Körper freigesetzt. Emotionale Reaktionen und Folgen von Stress können je nach Individuum und Handlungsstrategie sehr unterschiedlich ausfallen (vgl. Stangl 2017).

Insgesamt gibt es zwei Arten von Stress mit jeweils positiven bzw. negativen Auswirkungen auf das Individuum. Eustress wirkt motivierend, erhöht die Aufmerksamkeit und das Individuum sieht sich in der Lage die Anforderungen zu bewältigen. Distress hingegen übersteigt die Bewältigungsmöglichkeiten des Individuums und wirkt nicht mehr motivierend, sondern hemmend (vgl. Zülich, o.J. S.6). Hans Seyle, der als erster Begründer von Stress gilt, bezeichnet diesen in seiner Theorie als Allgemeines Anpassungs-Syndrom. Hiernach passt sich der Körper der jeweiligen Stresssituation an. Seyle behauptet, dass Stress hervorrufende Ereignisse eine Vielzahl von unterschiedlichen Situationen sein können, aber die physiologischen Reaktionen darauf immer die gleichen seien. (vgl. MacMahon 1987, S.29)

Evolutionärer Ansatz

Walter Cannon (1932) legt mit seiner evolutionsbiologischen „Fight-or-flight“- Theorie den Grundstein für die Stressforschung. Das Stammhirn, der älteste Teil des menschlichen Gehirns, reagiert reflexartig auf unerwartet eintreffende Gefahrensituationen. Hierbei werden Noradrenalin und Adrenalin ausgeschüttet und der Kortisolspiegel steigt an. Außerdem erfolgt eine Sympathikuswirkung welche zu erhöhter Herzaktivität, Durchblutung von Muskeln und Blockierung des Magen-Darm-Traktes führt.

In der Epoche der Jäger und Sammler war die körperliche Stressreaktion überlebensnotwendig. Innerhalb von Sekunden wurde die Gefährlichkeit einer Situation eingeschätzt, der Körper mobilisierte seine Kräfte und so konnten die Handlungsstrategien Kampf oder Flucht effektiv genutzt werden. Auch heute wird in Stresssituationen die gesamte Energie in Muskelkraft mobilisiert. Problematisch ist, dass heutige Stresssituationen nicht durch Kampf und Flucht bewältigt werden können, sodass daraus ein Überschuss an nicht mobilisierten Kräften entsteht (vgl. Strangl 2017).

Transaktionale Stressmodell nach Lazarus

Das Transaktionale Stressmodell wurde entwickelt von Richard Lazarus im Jahre 1974. Lazarus geht davon aus, dass Stress ein Ungleichgewicht im Verhältnis von Mensch und Situation darstellt. „Stress entsteht im Zusammenspiel zwischen situativen Anforderungen und individuellen Beurteilungen der eigenen Ressourcen und Fähigkeiten“ (Zülich o.J. S.11).

Jedes Individuum bewertet Stressoren unterschiedlich. Ob Stress zustande kommt, hängt nach Lazarus von den drei Formen der Situationsbewertung ab. Die erste Form umfasst die primären Bewertungen: Das Individuum bewertet, ob ein potenzieller Stressor als irrelevant, gefährlich oder als positiv angesehen wird. Wenn eine Situation als stressig aufgefasst wird, kommt es zur sekundären Bewertung: Hier wird zwischen einer herausfordernden Situation, einer Bedrohung und einem Verlust unterschieden. Herausforderungen können stimulierend wirken, weil das Individuum davon ausgeht, die Situation bewältigen zu können. Bei Bedrohungen reflektiert das Individuum über seine eigenen persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten und prüft, ob ihm ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen. Reichen die eigenen Ressourcen nicht aus, um eine Anforderung zu bewältigen, entsteht Stress.

Um das vorhandene Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Bewältigungsmöglichkeiten auszugleichen werden Bewältigungsstrategien, sogenannte Coping-Strategien, entworfen. Diese können emotionsorientiert oder leistungsorientiert sein. Außerdem sind sie situationsbedingt und hängen von den kognitiven Eigenschaften der Person ab.

Zuletzt wird über den Erfolg einer verwendeten Lösungsstrategie entschieden. Es kommt zu einer Neubewertung der Situation, denn je nach Ressourcen und Kognition kann eine Bewältigungsstrategie funktional oder dysfunktional sein (vgl. Strangl 2017).

Gender vs. Geschlecht

Geschlecht und Gender-Identität müssen voneinander unterschieden werden. Es gibt vier Stufen zur Bestimmung eines Geschlechts, welche aufeinander aufbauen. Die erste Stufe ist das chromosomale Geschlecht. Männliche Embryos haben XY-Chromosomen und weibliche haben XX-Chromosomen. Die zweite Stufe ist das hormonelle Geschlecht. Beide Geschlechter besitzen dieselben Hormone, jedoch sind diese unterschiedlich stark ausgeprägt. Männer haben beispielsweise mehr Testosteron und Frauen haben mehr Östrogene. Die dritte Stufe ist das morphologische Geschlecht. Dieses beschreibt die Körperformen und typische geschlechtsspezifische körperliche Merkmale. Männer haben beispielsweise größere Knochen, Muskeln und eine stärkere Körperbehaarung als Frauen. Diese drei Stufen bauen aufeinander auf. Die Chromosomen bestimmen den Hormonhaushalt und der Hormonhaushalt wiederum prägt körperliche Merkmale. Die vierte Stufe meint die typischen Verhaltensweisen von Männern und Frauen. In der Realität jedoch beeinflusst die Gender-Identität das Verhalten. Nur, weil eine Person männlich ist, heißt dies nicht, dass sie sich nicht zum weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen kann. Gender-Identitäten werden durch die Sozialisation geprägt. Einerseits hat die Biologie einen starken Einfluss auf Verhalten, andererseits kann geschlechtsspezifisches Verhalten erlernt werden (vgl. Schramek 2009, S.2f). Geschlecht ist somit biologisch, während Gender-Identität psychologische Aspekte mit sich bringt (vgl. MacMahon 1987, S.42)

Laut der Sozial-Lerntheorie entwickeln Männer und Frauen unterschiedliche Gender-Identitäten, weil sie von der Gesellschaft in der sie aufwachsen für ihr Verhalten entweder belohnt oder bestraft werden. Unangebrachte dem Geschlecht nicht entsprechende Verhaltensweisen werden gehemmt und dadurch entwickelten sich typisch männliche und typisch weibliche Verhaltensweisen.

Die Kognitive-Theorie betont, dass die Gender-Entwicklung im Zusammenhang mit der menschlichen Erkenntnis (Kognition) steht. Geschlechter-Identifizierung findet durch die Nachahmung von Vorbildern, deren Verhalten und Eigenschaften statt (vgl. MacMahon 1987, S.44f).

Alle Theorien stimmen darin überein, dass die Gender-Identität die Entwicklung eines Kindes schon sehr früh beeinflusst. Entwicklungspsychologen haben bewiesen, dass Kinder ihr Geschlecht vor dem Alter von zwei Jahren erkennen können (vgl. MacMahon 1987, S.45). Jüngste Studien konnten ebenfalls zeigen, dass die Gender-Identität bereits mit vier Jahren vollständig entwickelt wurde und die Umwelt die angenommene Identität nicht mehr ändern kann (vgl. Schramek 2009, S.5).

Durch verinnerlichte Gender-Schema entstehen Idealbilder von typisch weiblichen und typisch männlichen Charaktereigenschaften. Männer haben demnach eine instrumentelle Orientierung und handeln meist zielorientiert. Zu den maskulinen Charaktereigenschaften zählen Selbstsicherheit, Unabhängigkeit, Durchsetzungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und Risikobereitschaft. Maskulinität wird außerdem durch einen dominanten assimilativen Stil charakterisiert, welcher die Angleichung der Umwelt an das Individuum meint.

Frauen haben eine expressive Orientierung und handeln personenorientiert. Zu den typisch femininen Charaktereigenschaften gehören Hilfsbereitschaft, Harmoniestreben, Geselligkeit, Fürsorge, Selbstlosigkeit und Sanftheit. Femininität wird mit einem warmen akkomodativen Stil charakterisiert welcher die Angleichung des Individuums an die Umwelt bedeutet. Wichtig ist jedoch zu erwähnen, dass gesunde Männer und Frauen, sowohl maskuline, als auch feminine Eigenschaften besitzen (vgl. MacMahon 1987, S.49f).

Stresswahrnehmung der Geschlechter

Stressauslösende Faktoren werden Stressoren genannt. Sie treten in der Freizeit, während der Arbeit und im Familienleben auf oder können durch eigene Haltungen und hohe Ansprüche an sich selbst verursacht werden (vgl. Busch et al. 2015, S.21). Innere und äußere Faktoren können Stress auslösen und dabei ist es von Mensch zu Mensch unterschiedlich, ob eine Situation als stressig empfunden wird oder nicht. Erst wenn ein Reiz als stressig wahrgenommen wird und es an Strategien oder Kompetenzen mangelt um diese Anforderung zu bewältigen, wird Stress empfunden (vgl. TK 2016, S.12). Umweltbedingte Stressoren wirken von außen auf den Betroffenen ein. Dabei handelt es sich beispielsweise um Lärm, Hitze, Reizüberflutung oder unmittelbar drohende Gefahren. Als arbeitsbedingte Stressoren gelten Termindruck, hohe Verantwortung, fehlende Wertschätzung und enormer Leistungsdruck. Zu den zeitlichen Stressoren zählen Nacht- und Schichtarbeit, Arbeit auf Abruf oder genereller Zeitdruck. Soziale Stressoren sind fehlende soziale Unterstützung, Konkurrenz, Rollenkonflikte oder Mobbing. Stressoren aus dem Familienleben sind in erster Linie die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie. Außerdem können sich Überforderungen zum Beispiel bei Verantwortlichkeit für pflegebedürftige Familienmitglieder ergeben. Auch Verschuldung oder kritische Lebensereignisse, wie Scheidung, Erkrankung oder Tod eines Familienmitglieds gehören zu Stressoren aus dem Familienleben. Personale Stressoren können beispielsweise als hohe Ansprüche an sich selbst, unrealistische Ziele oder fehlende Qualifikationen zusammengefasst werden (vgl. Busch et al. 2015, S.21).

Laut der Stressstudie 2016 der Techniker Krankenkassen sind die am häufigsten genannten Stressauslöser der Beruf und zu hohe Ansprüche an sich selbst. 54 Prozent der Männer nennen ihren Beruf als häufigsten Stressauslöser, bei den Frauen sind es knapp 39 Prozent. Frauen hingegen gaben überdurchschnittlich oft an, dass sie die Ansprüche an sich selbst unter Druck setzten (48 Prozent). Daraus lässt sich schließen, dass knapp die Hälfte der Frauen mit dem Anspruch, sowohl im Berufs- als auch im Familienleben, den Anforderungen gerecht zu werden, überfordert ist. Ständige Erreichbarkeit durch das Smartphone wird von Männern (34 Prozent) eher als Belastung angesehen, bei den Frauen empfindet das nur circa jede Vierte so. Konflikte im sozialen Umfeld hingegen treffen Frauen schwerer. 30 Prozent nennen Konflikte mit Nahestehenden als Stressfaktor, bei den Männern sind es knapp 17 Prozent. Ein weiterer Belastungsaspekt, von dem eher Frauen als Männer betroffen sind, betrifft die Koordination von Beruf und Familie. Obwohl die Erwerbsquote von Frauen in den letzten Jahren gestiegen ist, arbeiten Frauen immer noch deutlich häufiger in Teilzeit (43,3 Prozent) und übernehmen größtenteils die Hausarbeit und die Verantwortung für die Kindererziehung (TK 2016, S.14). Ein Viertel der Frauen sieht die Kindererziehung als Belastungsfaktor, im Gegensatz dazu nur jeder siebte Mann. Doch es gibt auch Stressoren die Männer und Frauen nicht unterschiedlich aufnehmen. Termindruck und Verpflichtungen in der Freizeit (ca. 33 Prozent), die Teilnahme am Straßenverkehr (30 Prozent) und schwere Erkrankungen eines Nahestehenden (25 Prozent) stressen Männer und Frauen gleichermaßen (vgl. TK 2016, S.13f).

Ressourcen und Resilienz

Ressourcen sind Hilfsmittel und werden in erster Linie zur Bewältigung von Alltagssituationen genutzt. Mit Hilfe von Ressourcen kann Stress reduziert werden und sie können sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Zu den situativen Ressourcen gehören materielle Sicherheit, eine gesunde Umwelt und gute Wohnverhältnissen. Außerdem sind funktionierende familiäre und soziale Beziehungen wichtige soziale Ressourcen. Ein Direkteffekt auf die Gesundheit wurde für situative Ressourcen und für soziale Ressourcen mehrfach empirisch bestätigt. Darüber hinaus verweisen einige Autoren auch auf die körperliche Widerstandskraft und die Erholungsfähigkeit als personale Ressourcen.

Damit Ressourcen positiv wirken können, müssen sie der Person bewusst wahrgenommen werden. Viele Menschen nehmen in schwierigen Situationen Potentiale und Ressourcen weniger deutlich wahr (vgl. Busch et al. 2015, S.21f). Allein der Gedanke, eine belastende Situation verändern oder verlassen zu können kann sich auf das Stressempfingen auswirken. Diese innere Widerstandskraft wird Resilienz genannt. Sie beschreibt die Fähigkeit des Individuums Krisen mit vorhandenen persönlichen und sozialen Ressourcen zu bewältigen. Je größer die individuelle Resilienz ist, desto weniger belastend werden Stressoren wahrgenommen. Studien zufolge ist Resilienz bis zu einem gewissen Grad erlernbar, hängt aber auch Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit und dem Zugehörigkeitsgefühl zur Familie, sozialen Gruppe und Gesellschaft ab (vgl. Gießen 2015).

Psychische und physische Folgen von Stress

Kommt es zur Überlastung produziert der Körper die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol. „Sobald diese in den Blutkreislauf gelangen, bereiten sie den Körper biologisch auf eine bevorstehende Flucht oder einen Kampf vor…“ (Landesinstitut für Arbeitsgestaltung NRW 2014, S.6). Der Körper mobilisiert Energiereserven, der Blutdruck steigt und die Verdauung verlangsamt sich. Funktionen die für den Körper nicht überlebensnotwendig sind werden heruntergefahren. Normalerweise sinkt der Hormonspiegel wieder, wenn der Stress vorbei ist. Daher ist kurzzeitiger Stress nicht gefährlich, Dauerstress hingegen kann schwere körperliche und psychische Folgen mit sich bringen (vgl. Landesinstitut für Arbeitsgestaltung NRW 2014, S.6f).

Wird Stress jedoch zum Dauerzustand schwächt er das Immunsystem und kann schwere gesundheitliche Folgen mitbringen. Langanhaltender Stress wirkt sich auf die körperliche Gesundheit aus uns korreliert im hohen Maße mit der psychischen Gesundheit. Jeder dritte Deutsche leidet an chronischen Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Asthma. Zwei Drittel der Personen die häufig gestresst sind, leiden an Muskelverspannungen und Rückenschmerzen. 64 Prozent unter Erschöpfung und Burnout. Fast die Hälfte der Personen mit hohem Stresspegel gab an unter Gereiztheit (47 Prozent) und Schlafstörungen (46 Prozent) zu leiden. 36 Prozent der Befragten klagen über Kopfschmerzen an und jeder Vierte gibt an Depressionen zu haben (vgl. TK 2016, S.47).

Männer und Frauen zeigen deutliche Unterschiede in der körperlichen Reaktion auf Stress. (vgl. DiePresse 2017). Mehrere Studien haben gezeigt, dass Männer in stressigen Situationen doppelt so viel Cortisol ausschütten, mehr Adrenalin ausstoßen und einen höheren Bluthochdruck haben als Frauen. Der subjektiv empfundene Stress ist bei Frauen größer und sie berichten häufiger über Erkrankungen durch Stress. Dennoch konnten bei Männern in Laborexperimenten deutlich stärkere biologische Effekte auf Stresssituationen gefunden wurden (vgl. Juster 2009, S.7).

Frauen weisen für Krankheiten wie Herzbeschwerden, Hypertonie, Bronchitis, Asthma, Diabetes und Migräne eine höhere Anfälligkeitsrate auf. Dennoch ist die Anzahl der aus diesen Krankheiten resultierenden Todesfälle bei Männern höher. Zweimal so viele Männer als Frauen sterben an Herzinfarkten. Dies unterstützt die Annahme, dass Frauen anfälliger für stressbedingte Krankheiten sind, sie aber mit geringerer Wahrscheinlichkeit an ihnen sterben. (vgl. McMahon 1987, S.22).

Bezüglich der Arbeitsunfähigkeit gibt es große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen weisen einen um knapp 14 Prozent höheren Krankenstand als Männer auf. Auch die Ursachen der Arbeitsunfähigkeit sind verschieden. Frauen fehlen vermehrt aufgrund von psychischen Erkrankungen während für Männer Verletzungen in erster Linie Grund für Ausfälle sind. Insgesamt sind Frauen öfter krankgeschrieben, Männer allerdings länger (vgl. Rebscher et al. 2016 S.34).

Bereits in der Kindheit lassen sich geschlechtsspezifische Verhaltensweisen zwischen Jungen und Mädchen feststellen. Mädchen reagieren auf Stress öfter mit internalisierten Verhalten und negativen Folgen wie Angstgefühle und Depressionen. Jungen hingegen tendieren eher zu externalisierten Verhalten mit Nebenfolgen wie der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS). Obwohl Depressionen zu den internalisierten Reaktionen gehören, unterscheidet sich die Anzahl der betroffenen Jungen und Mädchen nicht. Dies ändert sich jedoch in der Adoleszenz. Hier ist die Anzahl die depressiven Frauen doppelt so hoch wie die der Männer. Im Erwachsenenalter sind gestresste Männer anfälliger für Alkoholmissbrauch, Suchterkrankungen und antisoziale Verhaltensmuster. Wohingegen Frauen eine größere Neigung für Depressionen, Erschöpfung und Migräne haben. Außerdem sind Frauen insgesamt empfänglicher für stressbedingte psychische Störungen. Dazu gehören Angstzustände, Phobien und Panikattacken. Männer und Frauen unterscheiden sich ebenfalls beim Schmerzempfinden. Es gibt Belege, die nachweisen, dass Frauen sensibler gegenüber Schmerzen sind als Männer. Dieser Unterschied ist zurückzuführen auf soziale, kulturelle und psychologische Faktoren. Wenn ein Mädchen nach einem Sturz weint, weil es Schmerzen hat, bekommt es meistens Hilfe. Einem Junge in derselben Situation wird gesagt, dass Jungen nicht weinen sollen und er stattdessen zeigen soll wie tapfer und stark er ist. Solche Stereotype werden auch durch die Medien verstärkt und können dazu beitragen, dass es Männern schwerer fällt sich emotional auszudrücken. Daher lehnen es Männer ab Schwäche zu zeigen, indem sie Symptome ignorieren und sich weigern einen Arzt aufzusuchen.

Außerdem sind die Selbstmordraten bei den Männern deutlich höher als bei den Frauen. Dabei versuchen sich statistisch gesehen mehr Frauen das Leben zu nehmen. Männern gelingt die Selbsttötung jedoch häufiger, weil sie zu gewalttätigeren Mitteln greifen als Frauen. Des Weiteren hat sich die Rolle der Frau in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Die meisten Frauen sind heutzutage erwerbstätig, kümmern sich jedoch weiterhin vermehrt um die Kinder, den Haushalt und pflegebedürftige Familienmitglieder. All diese Verpflichtungen spielen eine Rolle für die Entwicklung stressbedingter physischer und mentaler Krankheiten bei Frauen (vgl. Sindi 2009, S.10f)

Stressbewältigung und geschlechterspezifische Unterschiede

Je häufiger, intensiver und langfristiger der Stress auftritt, desto mehr wirkt er sich auf die psychische und physische Gesundheit aus. Daher braucht Stress immer ein Gegengewicht. Welche Methode bei wem wirkt hängt von der Art des Stresses ab, sowie von den individuellen Ressourcen und Fähigkeiten sich zu entspannen. Menschen haben ganz verschiedene Strategien zur Stressbewältigung entwickelt:

Das Hobby steht auf Platz eins der beliebtesten Entspannungsmethoden in Deutschland. 70 Prozent der Befragten bauen dabei ihren Stress ab. Für Männer ist mit 77 Prozent das Hobby der wichtigste Ausgleich zum stressigen Alltag, bei den Frauen sind es 65 Prozent. Faulenzen und einfach Nichts-Tun gehört zu den zweitbeliebtesten Entspannungsmethoden und ist bei beiden Geschlechtern gleichermaßen beliebt (68 Prozent). Familie und Freunde gelten als die entscheidende Ressource. Zwei Drittel aller Erwachsenen in Deutschland geben an, dass ein Treffen mit Nahestehenden ihnen beim Stressabbau hilft. Familie ist somit nicht nur Stressauslöser, sondern auch eine unerlässliche Ressource.

Für sechs von zehn Befragten ist Spazierengehen, Gartenarbeit oder Musik machen bzw. hören ebenfalls eine wichtige Bewältigungsstrategie. Wobei Spazierengehen und Gartenarbeit deutlich Frauen bevorzugen (65 Prozent) während Musik bei den Männern präferiert wird (61 Prozent). Die größten Unterschiede zeigen sich beim Lesen. 64 Prozent der Frauen empfinden Lesen als entspannend, bei den Männern ist es nur jeder Vierte. Kochen oder Fernsehen wird gleichermaßen von jedem Zweiten bevorzugt. Sport wird nur von circa der Hälfte der Befragten zum Abbau von Stress genutzt. Dabei ist Sport nicht nur ideal gegen Diabetes, Rückenschmerzen und Herz-Kreislauf-Beschwerden, sondern  gehört auch zu den besten Methoden zum Stressabbau. 60 Prozent der Befragten die sich als gesund bezeichnen, nutzen Sport zum Ausgleich. Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass Frauen gesünder entspannen als Männer. Der Großteil der Männer nutzt ihr Hobby zur Stressbewältigung. Frauen hingegen sind Spaziergänge an der frischen Luft und die Arbeit im Garten genauso wichtig. Auch Entspannungsmethoden wie Yoga und Lesen und sind bei Frauen beliebter. Auch soziales Engagement (36 Prozent) hat einen hohen Stellenwert bei der Stressbewältigung, weil die Helfer dabei Wertschätzung erfahren und es positive Auswirkungen auf die Gesundheit und das Glücksempfinden hat. Soziales Engagement ist bei den Frauen mehr verbreitet als bei den Männern. Männer tendieren, wenn sie gestresst sind eher zum Alkoholkonsum, als Frauen. 38 Prozent der Männer, aber nur knapp ein Viertel der Frauen nutzen Bier- und Weinkonsum als Entspannungsmethode (vgl. TK 2016, S.18f).

Verletzlichkeit, Abhängigkeit und Inanspruchnahme von Hilfe passen zur stereotypen weiblichen Rolle. Frauen wird von der Gesellschaft die Rolle der Pflegerin aufgetragen und sie sind eher dazu bereit gesundheitliche Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen als Männer (vgl. MacMahon 1987, S.23). Die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage ist bei Frauen aufgrund von psychischen Erkrankungen höher als bei Männern. Die DEGS-Studie konnte zeigen, dass 35,9 Prozent der Frauen und 30,7 Prozent der Männer innerhalb eines Jahres unter einer psychischen Erkrankung litten. Jedoch beanspruchten Frauen (37,5 Prozent) wesentlich häufiger bei Vermutung auf psychische Erkrankungen das Gesundheitssystem als Männer (27,5 Prozent). Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Frauen häufiger bei psychischen Erkrankungen einen Facharzt aufsuchen und dies unter anderem ein Grund für die geschlechterspezifischen Unterschiede ist (vgl. Knieps & Pfaff 2016, S.53f.).

Problemorientiertes und emotionsorientiertes Coping

Problemorientiere Bewältigungsstrategien werden genutzt, um ein vorliegendes Problem zu ändern. Personen, die problemorientiert Handeln sehen den Stressor als Herausforderung an und gehen davon aus, dass sie die Situation ändern können. Das Individuum versucht die Anforderungen zu mindern und eigene Ressourcen zu erweitern (vgl. Kendel 2004, S.50). Dieser assimilativen Stil meint die Angleichung der Umwelt an das Individuum und gilt als typisch maskuline Bewältigungsstrategie (vgl. MacMahon 1987, S.51).

Die Emotionsorientierte Bewältigungsstrategie versucht Emotionen, die durch einen Stressor verursacht wurden, zu regulieren. Wenn das Individdum sich nicht in der Lage sieht die vorliegende Situation zu ändern oder Ressourcen zur Minderung des Stressors fehlen, wird diese Strategie verwendet (vgl. Kendel 2004, S.50). Dieser akkomodative Stil wird von Frauen vermehrt genutzt und gilt als typisch feminin. Er beschriebt die Angleichung des Individuums an die Umwelt (vgl. MacMahon 1987, S.51).

Stressoren erfordern in den meisten Fällen problemorientierte und emotionsorientierte Bewältigungsstrategien. Problemorientiertes Coping führt vermutlich mit geringerer Wahrscheinlichkeit zu Depressionen. Die Annahme lautet, dass Frauen mehr emotionsorientierte Strategien verwenden und Männer mehr problemorientierte Strategien. Beide Geschlechter profitieren von ihrer jeweiligen Strategie am meisten (vgl. Kendel 2004, S.50).

Maskulinität steht häufig im Zusammenhang mit verbaler Inkompetenz und aggressiven Ehrgeiz, aber auch größeren Selbstvertrauen und emotionalen Gleichgewicht. Nachteile stark ausgeprägter Maskulinität bei Männern sind aggressives Konkurrenzverhalten, sogenanntes Typ-A-Verhalten, welches vermehrt zu Herzinfarkten führt und emotionale sowie verbale Ausdruckshemmung. Männer haben meist Hemmungen ihre Gefühle verbal oder nonverbal mitzuteilen (vgl. MacMahon 1987, S.129f).

Vorteile konnten bezüglich Femininität und emotionsorientierten Coping hergestellt werden. Beide Eigenschaften korrelieren positiv mit effektiven Verhaltensweisen wie zum Beispiel dem Ergreifen von Initiative, der aktiven Inanspruchnahme von sozialen Hilfsmitteln und guten sozialen Fähigkeiten. Frauen können sich besser im persönlichen Bereich mitteilen oder emotional auszudrücken. Weitere Vorteile von Femininität werden auch in anderen Forschungsarbeiten bestätigt wie zum Beispiel Zufriedenheit mit zwischenmenschlichen Beziehungen, Mangel an Aggression und die Fähigkeit zur menschlichen Nähe. (vgl. MacMahon 1987, S.130).

Bei Männern stieg in Stresssituationen der Testosteronspiegel, welcher mit aggressiven Verhaltensweisen assoziiert wird. Im Gegensatz dazu steigen bei Frauen die Werte des Progesterons, welcher als Botenstoff für soziales Bindungsverhalten gilt. Daraus könnte geschlossen werden, dass Männer eher die Konfrontation suchen, Frauen dagegen den Schutz der Gruppe und soziale Kontakte (vgl. Westermann 2017). Männer sind schneller dazu bereit in Stresssituationen Risiken einzugehen, während Frauen sich eher als risikoscheu zeigen. Diese Stress-Folgen bei Männern und Frauen lassen sich evolutionsbiologisch erklären: Männer neigen in schwierigen Situationen zu Kampf und Flucht, während Frauen versuchen Bindungen zu festigen und sich mit den Umständen zu arrangieren (vgl. Stangl 2017).

Dr. Shelly Taylor veröffentlichte im Jahr 2000 die Annahme, dass Frauen im Laufe der Evolution eine eigene Methode entwickelt haben, um mit Stress umzugehen. Laut Taylor neigten Frauen in stressigen Situationen zur Tend-and-befriend-Lösung, alternativ zur typisch männlichen Fight-or-flight-Reaktion. Die Begründung für diese Theorie hat einen evolutionären Hintergrund: Frauen sind viel verletzlicher gegenüber externen Bedrohungen aufgrund von Anforderungen wie der Schwangerschaft, Krankenpflege und Kinderbetreuung. Strategien wie Kampf oder Flucht würden in den meisten Fällen den Verlust ihres Kindes bedeuten. Daher tendieren Frauen vermehrt zu friedlichen Lösungen. Dazu gehören den Nachwuchs pflegen und beschützen (tend) und Freundschaften schließen (befriend) (vgl. Juster 2009, S.15f). Taylor und ihr Team fanden außerdem heraus, dass Frauen an stressigen Tagen signifikant mehr Zeit mit ihrem Nachwuchs verbrachten, während Männer sich eher vom Familienleben zurückzogen (vgl. Dess 2000). Die Fight-or-flight-Reaktion ist eine typisch männliche Art um mit Stress umzugehen und ist bei Frauen insgesamt schwächer ausgeprägt. Der Tend-and-befriend-Ansatz daher bietet einen weiteren Blickwinkel auf die unterschiedlichen Bewältigungsstrategien in Stresssituationen zwischen Männern und Frauen (vgl. Kendel 2004, S.50).

Soziale Netzwerke

Mit sozialen Netzwerken ist der menschliche Beistand bzw. die Anwesenheit von anderen Personen gemeint, die Betroffenheit und Mitgefühl zeigen. Sie bieten Hilfe an, erteilen Rat und dienen als Bezugsperson bei Lebenskrisen oder Problemen. „Die Fähigkeit Kontakt aufzunehmen, Freundschaften zu schließen wird seit langem mit psychischer Gesundheit in Zusammenhang gebracht“ (MacMahon 1987, S.38). Im Umkehrschluss konnte bei Verlust oder Mangel von zwischenmenschlichen Beziehungen der Ausbruch bzw. Fortschritt von Krankheiten gezeigt werden (vgl. MacMahon 1987, S.37). In Bezug auf die Genesung oder Dauer des Krankenhausaufenthaltes spielt Kontaktfähigkeit eine bedeutende Rolle. Frauen zeigen ein größeres Bedürfnis als Männer nach geselligen Anschluss und neigen eher dazu, sich durch ihre sozialen Beziehungen zu definieren. Männer hingegen unterstreichen lieber ihre Autonomie und Unabhängigkeit (vgl. McMahon 1987, S.38f). Es konnten signifikante Unterschiede im Geselligkeitsverhalten von Krankenhauspatienten gezeigt werden. Weibliche Patienten aller Altersstufen nahmen an einer größeren Anzahl von sozialen Interaktionen teil, als männliche Patienten. Dieses gesellige Verhalten der Frauen wird als eine konstruktive Strategie angesehen mit der sie die Krankheit bewältigen können. Außerdem fühlen Frauen sich im Gegensatz zu Männern weniger durch Situationen bedroht, die kontaktaufnehmende oder soziale Fähigkeiten erfordern (vgl. MacMahon 1987, S.39). Die Ehe hat hinsichtlich der mentalen Gesundheit mehr Vorteile für Männer als für Frauen. Im Gegensatz zu Singles oder Geschiedenen haben verheirateten Männer eine erhöhte mentale Gesundheit und sind deutlich weniger anfällig für stressbedingte Depressionen. Frauen hingegen pflegen häufiger Kontakte außerhalb der häuslichen Umgebung beispielsweise zu Arbeitskollegen und Freunden (vgl. Sindi 2009, S.12).

Soziale Netzwerke sind somit eine der effektivsten Methoden zur Bewältigung von Stress. Zahlreiche Studien belegen, dass soziale Unterstützung positive Effekte auf physische und auf mentale Krankheiten hat. Forscher sind sich außerdem einig, dass soziale Netzwerke direkt und indirekt auf Gehirn und Körper wirken und zur Verbesserung vom Herz-Kreislauf-System und Linderung von Depressionen beitragen. Zusätzlich steht soziale Unterstützung in Verbindung mit schnellerer Erholung von Krankheiten und Langlebigkeit (vgl. Martin 2009, S.13f). Frauen sind viel eher dazu bereit sich auf soziale Unterstützung in stressigen Situationen einzulassen, als Männer. Obwohl die Präsenz eines Mitglieds des sozialen Netzwerkes beiden Geschlechter helfen kann Stress zu reduzieren, ist der Effekt bei den Frauen insgesamt größer (vgl. Juster 2009, S. 15f).

Fazit

Aufgrund von unterschiedlichen Geschlechterrollen und Lebensumständen nehmen Männer und Frauen Stress sehr unterschiedlich wahr und haben verschiedene Strategien entwickelt mit diesem umzugehen. Angefangen dabei, dass Männer und Frauen sich durch verschiedene Faktoren gestresst fühlen. Frauen fühlen sich aufgrund ihrer zusätzlichen Rolle als Pflegerin und Fürsorgerin, in erster Linie, durch die Unvereinbarkeit von Arbeit und Familie gestresst. Männer, die sich als Hauptversorger der Familie ansehen, belastet der Leistungsdruck auf der Arbeit. Insgesamt konnte diese Arbeit zeigen, dass es nicht auf das Geschlecht ankommt, sondern auf die Lebensumstände, Stressoren und die jeweiligen Ressourcen, die zur Verfügung stehen. Soziale und personale Ressourcen, individuelle Resilienz und somit die Wahrnehmung von Stress, sind geschlechterunspezifisch.

Wird der Stress zum Dauerzustand sind die daraus resultierenden Krankheiten bei beiden Geschlechtern ähnlich. Zahlreiche Studien haben belegt, dass Frauen vermehrt an stressbedingten psychische Krankheiten wie Depressionen erkranken. Männer hingegen neigen eher zur Ausflucht durch Alkoholkonsum und sterben auch häufiger an den Folgen von Stress, zum Beispiel durch einen Herzinfarkt.

Beide Geschlechter haben verschiedene Strategien zur Stressbewältigung entwickelt. Männer tendieren zu problemorientierten Coping Methoden. Ihnen fällt es schwerer Schwäche zu zeigen, sie ignorieren Krankheitssymptome und sind eher bereit Risiken einzugehen. Männer sind meist davon überzeigt, dass sie Probleme eigenständig lösen können und sie nicht auf Hilfe von Spezialisten oder Angehörigen angewiesen sind. Frauen hingegen fällt es leichter Probleme zu verbalisieren und sie ziehen eine emotionsorientierte Strategie vor, indem sie nach sozialer Unterstützung suchen. Nach der Fight-or-flight-Theorie und der Tend-and-befriend-Theorie funktionieren jeweils beide Bewältigungsstrategien für das jeweilige Geschlecht am besten. Allerdings wurde auch in nahezu allen Quellen betont, wie wichtig soziale Netzwerke für beide Geschlechter sind und dass Isolation sogar zum Fortschritt von Krankheiten führen kann.

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