Gegen Demokratie – Keine Macht den Hobbits?

Ist eine Demokratie die beste Regierungsform? Jason Brennan bezweifelt das in seinem Buch „Gegen Demokratie – Warum wir die Politik nicht den Unvernünftigen nicht überlassen dürfen“. In seinem 464 Seiten starken Buch beschreibt er die Demokratie als ein Werkzeug für gute politische Ergebnisse.

Gegen Demokratie von Jason Brennan
Gegen Demokratie von Jason Brennan

 Die drei Idealtypen: Hobbits, Hooligans und Vulkanier (S. 19-20)

Hobbits
Die politische Entsprechung für Hobbits in der modernen Demokratie sind die typischen Nichtwähler. Die meisten Nichtwähler interessieren sich nicht für Politik, sie haben sehr wenige, wenn überhaupt politische Meinungen, sie beteiligen sich nicht viel und sie wissen nicht viel. Sie ziehen es vor, sich im Alltag möglichst wenig mit Politik zu beschäftigen.

Hooligans
Die meisten regelmäßigen Wähler, politischen Aktivisten, Parteimitglieder und Politiker sind Hooligans. Sie haben klare politische Ansichten, können Argumente für ihren Standpunkt vorbringen, aber können nicht überzeugend gegen andere argumentieren. Hooligans nehmen politische Informationen selektiv auf, wobei sie Daten die ihrer Meinung entsprechen aufnehmen, und Daten die nicht zu ihrer Meinung passen ablehnen.

Vulkanier
Vulkanier denken wissenschaftlich und rational. Sie interessieren sind für Politik, sind dabei aber leidenschaftslos, da sie sich bemühen, vorurteilsfrei zu denken und nicht irrational zu werden. Nach Brennan gibt es von diesen nur sehr wenige.

Kritik an der Demokratie (S.25)

  • Für die meisten Menschen hat die politische Partizipation keinen Nutzen
  • Es existiert kein Grundrecht auf die Beteiligung an Wahlen
  • Die Demokratie ist keine einzigartig oder wesensmäßig gerechte Regierungsform

Epistokratie als Ziel

Brennan ist für eine „Epistokratie“ (Herrschaft der Wissenden), wenn man davon ausgehen kann, dass diese bessere Ergebnisse als eine Demokratie liefert. Ein System, in dem die politische Macht formal entsprechend der Kompetenz, den Kenntnissen und der Bereitschaft verteilt wird, das Handeln an diesen Kenntnissen auszurichten. (S. 36)

Aber daraus, dass die politische Ungleichheit in der Vergangenheit ungerecht war, können wir nicht schließen, dass die politische Ungleichheit an sich ungerecht ist. Selbst wenn die Menschen in der Vergangenheit ohne gute Gründe von der politischen Macht ausgeschlossen wurden, könnte es gute Gründe dafür geben, manchen Menschen das Recht auf politische Teilhabe vorzuenthalten oder ihnen einen geringeren Anteil an der Macht zuzugestehen.
Zur Veranschaulichung : Wir sollten niemanden daran hindern, ein Auto zu fahren, weil er Atheist, homosexuell oder ein Unberührbarer ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Beschränkungen der Fahrerlaubnis ungerecht sind, Es kann durchaus gerechte Begründungen dafür geben, manche Menschen am Autofahren zu hindern, weil sie inkompetente Fahrer sind und im Straßenverkehr eine zu große Gefahr für andere Menschen darstellen. (S.42)

Wahlrecht oder 5-Dollar?

Wie wenig Bedeutung der Autor dem aktiven und passiven Wahlrecht zuspricht, kann man sehr gut an diesem Zitat sehen: „Sieht man von bestimmten außergewöhnlichen Umständen ab, so geben uns das aktive oder passive Wahlrecht oder das Recht auf politische Partizipation weniger Macht über unser eigenes Schicksal als der Fund eines 5-Dollar-Scheins auf dem Bürgersteig.“ (S.138)

Einfluss der kompetenten Menschen

Bei der Wahl hat zwar jeder den gleichen Einfluss, aber da dieser so klein ist, macht es für den einzelnen Wähler keinen wirklichen Unterschied ob er wählen geht oder nicht. „Dass die Demokratie einigermaßen gut funktionier, dürfte nicht daran liegen, dass das Wahlvolk kompetent ist, sondern daran, dass die Macht des Wahlvolks beschränkt ist.“ (S.289) Er sagt weiter, dass kompetentere Menschen einen größeren Einfluss auf die Politik haben, als weniger kompetente.

Sonstiges

Ich empfehle das Buch jedem weiter, der politisch interessiert ist. Es gibt einem neue Sichtweisen auf manche Elemente unserer Demokratie und erweitert den eigenen Horizont in Bezug auf unser politisches System — gerade kurz vor der Bundestagswahl.

 

Weitere Links:
http://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Politisches-Buch-Gegen-Demokratie,demokratie140.html

http://www.ullsteinbuchverlage.de/nc/buch/details/gegen-demokratie-9783550081569.html

http://www.ardmediathek.de/tv/Kulturjournal/Jason-Brennans-Streitschrift-Gegen-Demo/NDR-Fernsehen/Video?bcastId=3487828&documentId=42087628

 

 

 

2 thoughts to “Gegen Demokratie – Keine Macht den Hobbits?”

  1. Die große Krux: Intelligente Menschen sind genauso korrupt und lassen sich genauso von z.B. Großkonzernen bestechen. Je weniger Menschen sich Macht teilen, desto „billiger“ wird es im Endeffekt nur für Konzerne, ihre Interessen durchzusetzen. Dann muss man nämlich weniger Menschen schmieren. Man stelle sich vor, es gäbe Volksentscheide. Wie will man zigmillionen Menschen bestechen? Man kann sie natürlich durch Kampagnen beeinflussen, aber es wäre definitiv aufwendig. Darum haben wir ja parlamentarische Demokratie, damit das Geld auch bei den richtigen ankommt und man garantiert bekommt, was man will. Epistokratie würde an diesem Problem nichts ändern, es sei denn, wir zahlen unseren „Weisen“ so viel, dass sie sich nicht mehr bestechen lassen.

  2. Hey Spifico, danke erstmal für deinen Kommentar.

    Es geht Brennan nicht darum, dass intelligente Menschen auch korrupt sind, sondern eher darum, dass bei der Wahl viele Menschen gegen ihre eigenen Interessen wählen. Er sagt, dass die Wähler, wenn sie besser informiert wären, ganz andere Entscheidungen treffen würde.

    Was die Anfälligkeit für Korruption angeht, da hast du natürlich Recht. Da ändert auch eine Epistokratie nichts.

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