Interdisziplinäre Forschung hat einen geringeren Finanzierungserfolg

Abstract zu „Intersiciplinary research has consistently lower funding success“
(Autoren: Lindell Bromham, Russell Dinnage, Xia Hua)

interdisziplinäre Forschung, Interdisziplinarität

Der Aufsatz von Bromham, Dinnage und Hua „ Intersiciplinary research has consistently lower funding success” untersucht, inwiefern interdisziplinäre Forschung weniger gefördert wird als Forschungen aus einer einzelnen Disziplin.

Die Autoren verwenden für ihre Untersuchung alle Anträge, die zwischen 2010 und 2014 beim Forschungsprogramm des Australian Research Council eingereicht wurden. Dieses nationale Wettbewerbsförderprogramm fördert die Grundlagenforschung in allen akademischen Bereichen. Eingereichte Anträge müssen aus einem Set von Codes angeben, zu welchen Disziplinen sie gehören und diese bei Mehrfachauswahl gewichten.

Um zu analysieren, wie stark die Erfolgsquote finanziert zu werden mit der Interdisziplinarität der Forschung zusammenhängt, verwenden sie eine standardisierte metrische Skala der interdisziplinären Distanz (IDD) von 0 bis 1, wobei 0 nur eine Disziplin und 1 maximale Disparität bei gleichmäßiger Darstellung ist. Dazu wird die Verschiedenheit (disparity) und die relative Repräsentation (balance) der Disziplinen gemessen, sowie das Jahr der Antragstellung, die Anzahl der ausgewählten Codes und die Anzahl der namentlich genannten leitenden Forscher und Institutionen berücksichtigt.

Bromham, Dinnage und Hua zeigen, dass es eine negative Korrelation zwischen der interdisziplinären Distanz und dem Erfolg gefördert zu werden gibt, unabhängig vom Jahr der Antragsstellung, der Anzahl ausgewählter Codes und dem primären Forschungsgebiet. Sie kontrollieren zudem, ob dieser Zusammenhang durch die primären Forschungsgebiete entsteht, so dass wenig erfolgreichere Disziplinen durch die Kombination mit weniger erfolgreichen Disziplinen einen niedrigeren Förderungserfolg haben. Die Autoren konnten zeigen, dass dies keinen Einfluss auf die Erfolgsquote hat. Außerdem stellen die Autoren mit weiteren Analysen fest, dass sowohl die Verschiedenheit als auch die relative Repräsentation der Disziplinen unabhängig voneinander einen Einfluss auf die Erfolgsquote gefördert zu werden hat. Die allgemeine Erfolgsquote variiert zwischen den Institutionen, wobei forschungsintensive Universitäten eine deutlich höhere Chance haben, gefördert zu werden.

Als Erklärung für diese Befunde führen die Autoren an, dass im Allgemeinen davon ausgegangen wird, dass Forschungen aus nur einer Disziplin besser von anderen Experten evaluiert werden können, als interdisziplinäre Forschung. Zudem sind interdisziplinäre Forschungen schwerer zu rechtfertigen. Zwar kann sie Vorteile haben, jedoch steigen die Kosten hier auch schneller, weil viel Zeit in den Aufbau kooperativere Beziehungen investiert und eine gemeinsame Sprache entwickelt werden muss. Ferner muss aus unterschiedlichen Blickwinkeln eine gemeinsame Perspektive entwickelt werden. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass interdisziplinäre Forschungen weniger als Forschungen aus nur einer Disziplin gefördert werden.

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